Kurzzusammenfassung meines Dissertationsprojekts
„Gräber und ihre theologische Bedeutung im Tanach“ (Arbeitstitel)
Ziel des Projektes ist die Untersuchung der theologischen Bedeutung(en) von Gräbern im Tanach und ihre Signifikanz für die Frömmigkeit des antiken Israels. Die Untersuchung selbst besteht aus zwei Hauptteilen: In einem ersten Teil geht es um die Auswertung der mehr als 400 literarischen Belege von Gräbern und Grabdenkmälern im Tanach, die sich in drei Gruppen ordnen lassen: Gräber/Begräbnisse im Rahmen von Erzählungen, Notizen zu Gräbern/Begräbnissen und die Verwendung des Wortfeldes Grab/Begräbnis als literarisches Stilmittel in poetischen Texten. Besonderer Augenmerk der literarischen Analyse liegt auf den Funktionen, die die Verweise auf Gräber und Grabdenkmäler sowohl innerhalb der jeweiligen Texte als auch für die Rezipienten derselben erfüllen. Gerade weil es nur vereinzelt Erzählungen von Bestattungen und Notizen von Gräbern im Tanach gibt, obwohl der Tod - und damit der Umgang mit dem Toten - fester und unabwendbarer Bestandteil des menschlichen Lebens ist, ist zu untersuchen, ob das Vorkommen eines Grabes logisch in den Plot einer Story integriert ist und mit welchen literarischen Mitteln eine solche Verknüpfung geschieht. Andererseits muss geklärt werden, ob das Vorkommen eines spezifischen Grabes, wie z.B. das Sara- oder das Rachelgrab, in verschiedenen Texten des Tanachs auch eine geschichtskonstruierende Funktion hat und über die Lokalisierung einer Grabstätte für einen Rezipienten Geschichte fundiert wird, sofern der Rezipient mit dem Verweis auf ein Grab im Text einen real existierenden Ort verbindet. Dieser real existierende Ort bekäme dann für den Rezipienten den Status eines Erinnerungsortes, d.h. die absolute Vergangenheit des real existierenden Ortes und die Informationen des literarischen Textes werden von dem Rezipienten untrennbar als eine gemeinsame Geschichte des Ortes aufgefasst, unabhängig davon, ob diese Rekonstruktion der absoluten Vergangenheit des Ortes wirklich entspricht. Diese Frage lässt sich allerdings nur durch eine Analyse der Bestattungspraxis in Kannan und der Beziehungen zwischen Grab und Vorstellungen vom Totenreich (scheol) befriedigend klären. Daher geht es in einem zweiten Teil des Projektes um eine Auswertung der archäologischen Quellen zu Gräbern und Grabdenkmälern in Kanaan, denn nur mit ihrer Hilfe lässt sich klären, welche Bestattungspraxis in Kanaan verbreitet war und ob diese sich von der Spätbronzezeit bis zur hellenistisch-römischen Zeit hin verändert hat. Eine besondere Rolle kommt dabei den Grabbeigaben zu, denn durch ihre Analyse lassen sich Erkenntnisse über die am Grab vollzogenen Riten und die Bedeutung des Grabes gewinnen. In einem abschließenden Schlussteil werden die Ergebnisse der Analysen der literarische und archäologischen Quellen dann korreliert und es wird untersucht, ob die archäologischen Funde ein breiteres Bild der Sepulkralkultur bezeugen als die Schriften des Tanach, welche Einflüsse der altorientalischen Umwelt hinter den Vorstellungen vom Gräbern und Grabdenkmälern im Tanach stehen und welche theologische Bedeutung Gräber für die Frömmigkeit des antiken Israels hatten.